Über den Thorong La

Nun liegt eine weitere Reise nach Nepal hinter mir und wieder habe ich neue wunderbare Eindrücke sammeln können, die ich hier für euch versuche in Wort und Bild zu beschreiben. Im Dezember 2010 bin ich zur großen Annapurnarunde aufgebrochen. Dabei habe ich den Thorong La überschritten. Allerdings habe ich einige Strecken per Jeep zurückgelegt. Hier könnt ihr die Bilder der Reise betrachten:

Um das Fotoalbum zu öffnen auf das Bild klicken.

Fotoalbum

Üppige Bougainvillea am Fewasee.


Zunächst verbringe ich 2 Tage in Kathmandu. Ich besuche den Durbar Square. Danach führt mich mein Weg zum Swayambunat-Tempel. Ich lege die Strecke zu Fuß zurück, denn dann sehe ich mehr von der Stadt als vom Taxi aus. Als Belohnung für das Erklimmen der 365 Stufen zum Tempelkomplex bekommt man einen herrlichen Überblick über Kathmandu. Im Hintergrund die Schneeberge des Himalaja und davor das Kathmandutal mit seinen vielen kleinen und großen Häusern, die überall wie Pilze aus dem Boden sprießen. Die Tempelanlagen sind frisch renoviert und großflächig blattvergoldet. Das sieht alles sehr prunkvoll aus in der Nachmittagssonne und so verweile ich hier ein wenig und beobachte die Menschen, die hier ein und ausgehen. Es herrscht ein reges Treiben, denn zwischen all den Tschörten, Tempelgebäuden und Verkaufsständen tummeln sich zu allem Überfluss auch etliche Makaken jeden alters. Man kann hier in aller Ruhe das Familienleben dieser Affengattung studieren. Am Fuße des Tempel-Hügels lerne ich eine nette Frau aus Kathmandu kennen. Ich versuche natürlich zunächst meine wenigen Nepali-Kenntnisse anzubringen aber der Einfachheit halber quatschen wir dann doch auf englisch. Sie lädt mich zum Tee ein und wir verbringen die Zeit bis zum Sonnenuntergang mit interessanten Gesprächen über Land und Leute.


Durbar Square

Die oberen Dächer der Maju Dega Pagode am Durbar Square.

Um 7 Uhr früh geht es mit dem Bus nach Pokhara. nach 6 geruhsamen Stunden im Touristenbus mit zwei kurzen Pausen (Frühstück und Lunch) erreiche wir meine Lieblingsstadt in Nepal. Das Wetter ist prächtig und ich beziehe wieder das gleiche Zimmer im Hotel Lakesideview nahe dem Fewasee. Am Abend kann ich einen spektakulären Sonnenuntergang mit rotbeleuchteter Annapurna II, III und IV genießen. Ein fantastischer Anblick. Danach gibt's im Stammlokal Dalbhat. Am nächsten Tag gehe ich in die Stadt und mache Einkäufe. Ein neuer Kurta Surual muss her, diesmal in dunkelblau und noch so einige Dinge des täglichen Bedarfs für die Tour. Dann fahre ich mit dem Bus zurück zum Seeufer. Von dort setze ich meine Weg fort zu Fuß. Ziel ist das Fischrestaurant Duna Tapari das ich nach ca. einer halben Stunde erreiche. Es liegt direkt am Seeufer und man hat von der Veranda aus einen herrlichen Blick über den See. Beim Essen kann man den Paragleitern, die von Sarangkot gestartet sind, zuschauen wie sie hier am Ufer landen. Es gibt frittierten Fisch und andere Leckerein und dazu eisgekühltes Bier. Was für ein wunderbarer Nachmittag mit kulinarischen Köstlichkeiten aus Nepal und interessanten Gesprächen mit den anderen Gästen.

Fewasee

Auf der Terrasse im Fischrestaurant Duna Tapari am Fewasee.

Am nächsten Morgen früh um 7 Uhr fährt der Bus nach Besisahar, dem Anfangspunkt der großen Annapurnarunde. Gegen 14 Uhr erreiche ich den kleinen Ort der auf 760 m liegt. Der Thorong La ist 5416 m hoch. Dazwischen liegt ein äußerst abwechslungsreicher Weg mit vielen atemberaubenden Ausblicken. In Besisahar soll ein Jeep für die erste Etappe herhalten. Nach einem üppigen Dalbhat erfahre ich, das der Jeep nach Syange heute noch fährt aber erst wenn genügend Passagiere gefunden sind. Was das Wort "genügend" im nepalesischen Sprachraum bedeutet, erfahre ich dann 2 Stunden später als aus dem nichts bei Ankunft des Jeeps außer mir plötzlich 15 andere Menschen auf das Vehikel zuströmen und offensichtlich auch einen Platz darin oder auch darauf beanspruchen. Unerklärlicher Weise finden wir alle mehr oder weniger Platz und los geht's im Schritttempo über die Buckelpiste, die sich Straße nennt. Nach ca. einer Stunde beginne ich die Weissheit: besser schlecht gefahren als gut gelaufen in Frage zu stellen. Alle anderen sind bester Laune und die unvermeidlichen nepalesischen Folkloresongs die aus den alten Lautsprechern tönen heitern auch mich nach jeder schweren Unebenheit des Weges wieder auf. Nach der Hälfte der Strecke fährt der Jeep über ein größeres Hindernis (Steine oder was) oder versucht es zumindest. Das hat einen jehen Stopp zur Folge. Alle steigen aus und nach Ausbau des defekten Teils wird klar: an eine Weiterfahrt ist nicht zu denken. Nach längerer Diskussion mit den Mitreisenden verteilt der Fahrer das Restgeld an alle und weiter geht es zu Fuß. Ob mit Koffer, Rucksack oder Einkaufstaschen, alle machen sich rasch auf in Richtung ihrer Heimat, denn die Abenddämmerung beginnt schon heraufzuziehen. So beginnt meine die Tour doch eher als geplant. Nach 1 Stunde Nachtwanderung, bei der ich meine erste Eule in freier Wildbahn beobachten kann, kehre ich in einer kleinen Lodge ein, die aus Brettern und Wellblech besteht. Der Wirt und seine Familie sind sehr freundlich und zurückblickend gibt es hier eins der leckersten Dalbhats die ich auf der Tour gegessen habe. Auch der Raksi ist sehr gut (aus Hirse!) und der Milchkaffee am nächsten Morgen war geradezu sensationell!

Fewasee

Der Fewasee in Pokhara.

Früh stehe ich auf um mir am Wasserrohr vor der Tür die Zähne zu putzen und das Gesicht zu waschen: dherai chiso! (sehr kalt!). Weiter geht es dann auf der Jeepstraße bei wolkenlosem Himmel und strahlendem Sonnenschein durch ein enges Tal mit einem grün schimmerndem Bach, der sich durch die üppige Vegetation schlängelt. Ich kann für unsere Verhältnisse überdimensionierte Weihnachtssterne fotografieren und herrliche Bambuspflanzen in allen Größen. Viele verschiedene Vogelarten können am Wegesrand beobachtet werden. Wer kennt wohl all die Namen dieser wunderschönen zum Teil sehr bunt gefiederten Gesellen? Das Ziel, Tal, ist gegen 14 Uhr erreicht nachdem ich etliche Hängebrücke überquert und einige sehr idyllische Dörfer durchwandert habe. Da Dezember ist, bin ich auf dem Weg so gut wie alleine. Nur vereinzelt begegnen mir ein paar Ausländer. Ich kann also ungestört genießen. Und genießen muss man das alles hier, denn die Ausblicke auf die Berge sind großartig und ständig ändert sich der Ausblick je weiter man in dieses wunderbare Tal vordringt. In Tal steige ich in einer komfortablen reisengroßen Lodge ab und esse nach einem kalten Bier einen großen Teller Dalbhat in der Nachmittagssonne im Garten der Lodge. Nach einer heißen Dusche, erst mal ausruhen, ein bisschen schlafen im warmen, weichen Bett. Kurz bevor es dunkelt, werde ich wieder munter. Dann gehtís zum Abendessen: Nudelsuppe mit Gemüse. Dazu Raksi, der aber nicht so lecker ist wie am Abend zuvor. Da ich die Herberge nur mit einem schweigsamen Franzosen teile, gehe ich früh zu Bett und schlafe auch gleich ein. Bin eben nichts mehr gewöhnt. Tags drauf wieder wolkenloser Himmel und gegen 8 Uhr verlasse ich nach Genuss von Müsli und Milchkaffee fröhlich die Lodge, denn ich bin schon sehr gespannt was mich auf dem weiteren Weg erwartet. Das Tal wird zunächst noch enger und an den steilen Berghängen wachsen überall Orchideen, die herrlich gelb und weiß blühen.

Annapurna II

Blick auf die Annapurna II von Pokhara aus.

Die heutige Etappe ist die Längste: es geht bis Chame. Dort komme ich erst gegen 17 Uhr an und freue mich über einen warmen Platz in der Küche der Lodge. Erstmal gibt es einen Liter Minttea und dann muss ich auch den Raksi probieren. Zum Abendbrot gibt es diesmal Yakcurry mit Reis. Außer mir bevölkert nur ein Pärchen aus Amerika den Aufenthaltsraum. Wir unterhalten uns ein wenig und es wird ein sehr netter Abend. Als ich mich am nächsten Tag auf den Weg nach Pisang mache, sind die Amerikaner schon unterwegs. Das macht aber nichts, denn man soll Pisang schon gegen Mittag erreichen. Der Weg führt durch herrliche Koniferenwälder, die in der warmen Sonnen einen sehr angenehmen Duft verströmen. Überhaupt ist alles sehr friedlich und still hier mal abgesehen von dem tosenden Bach, der verantwortlich für dieses wunderbare Tal zeichnet und tief am Talboden entlang fließt. In Pisang genieße ich erst mal eine kalte Cola und ein Twix. Dann mache ich mich auf den Weg nach Upper Pisang. Dort möchte ich heute die Nacht verbringen. Erstens scheint dort noch länger die Sonne und die Aussicht von dort auf die Annapurna II ist auch recht spektakulär. Also noch ein kleiner Aufstieg, bei dem sich nun bereits der Sauerstoffmangel bemerkbar macht. Wir befinden uns in Pisang auf ca. 3300 m. In Upper Pisang sind die meisten Lodges geschlossen aber ich habe Glück, denn ich finde doch noch eine Unterkunft, die ich mit einem jungen ungarischen Paar teile. Zu Mittag gibt es erst mal ein kühles Bier und Dalbhat. Der Besitzer der Lodge ist ein alter Tibeter, der schon viel in der Welt herumgekommen ist. Nun hat er sich hier in der Lodge zur Ruhe gesetzt und genießt es wenn Gäste da sind, denn dann hat er jemanden zum quatschen. Viel Geld verdienen muss er nicht, also ist er ganz gelassen und diese Gelassenheit überträgt sich irgendwie auf das ganze Haus und auch die Gäste. Am Abend sitzen wir gemeinsam im Gastraum und wärmen uns am Öfchen und ich übe mich in nepalesischer Konversation mit dem Enkel des Lodgebesitzers. Ein schöner Abend in kleiner Runde.

Pisang

Die Annapurna II von muThilo (= Upper) Pisang aus.

Am nächsten Morgen führt mich der Weg wieder hinab nach Pisang und dann weiter Richtung Manang. Das ist das heutige Etappenziel. Es geht zunächst über einen kleinen Pass von dem aus man einen Blick ins nächste Tal werfen kann, das man dann durchwandern wird. Überall wachsen schöne große Koniferen und rechts und links kann man die schneebedeckten Berge bewundern, die den Weg säumen. Gegen Mittag passiert man Humde. Hier gibt es einen Flughafen. Das Flughafengebäude nimmt sich etwas skuril aus in dieser wilden Berglandschaft. Zwischendurch wird an verschiedenen Posten das Permit begutachtet, gestempelt und man wird in das große Nationalparksbuch eingetragen. Die meisten Beamten des Nationalparks sind sehr freundlich. Einige nehmen sich aber sehr wichtig und schenken einem nicht einmal ein Lächeln oder einen Abschiedsgruß. Auf dem Weg nach Manang ist wie die Tage auch schon zuvor nicht viel los und so hat man die ganze herrliche Bergwelt für sich. Nur ab und zu trifft man ein paar Einheimische. Gegen Mittag erreiche ich den Akklimatisationsort Manang. Hier findet man eine Menge große und kleine Lodges, die in großzügigem Abstand gebaut wurden. Der alte Ortskern von Manang, den man auf dem weiteren Weg Richtung Pass durchquert, besteht aus vielen verwinkelt angeordneten Steinhäusern, durch die sich enge Gasse ziehen, in denen schon Mal das eine oder andere Yak mit Nachwuchs herumlungert. Ich beziehe ein Zimmer in einer der großen Lodges und lasse mir erst mal im warmen Gastraum ein kaltes Bier und anschließend ein sehr leckeres Dalbhat schmecken. Danach macht sich die Anstrengung des vormittäglichen Marsches bemerkbar und ich ziehe mich zum Ausruhen in mein gemütliches Bett in der Lodge zurück. Die Zimmer haben sogar ein eigenes Badezimmer aber das Wasser ist leider eingefroren. Waschen beschränkt sich also auf das Nötigste. Bei Sonnenuntergang erwache ich aus erholsamem Schlaf und mache mich auf den Weg Manang zu erkunden. In einer Pati (Raksibar in kleinen Hütten aus Holz und Wellblech) kehre ich ein und trinke dort zu leckerem Sukuti (getrocknetes Yakfleisch mit Knoblauch, Zwiebeln, Ingwer und leckeren Gewürzen gebraten) mehrere Gläser heißen Raksi. Alles wirklich köstlich aber der Alkohol zeigt bald seine Wirkung (nicht zuletzt wegen der Höhe) und so kehre ich gegen 21 Uhr zurück in die Lodge, wo ich gerade noch eine Nudelsuppe und einen Liter Minttea bekomme. Die Trekker sind fast alle schon in den Betten. Nur ein paar nepalesische Träger und Guides bevölkern noch den Gastraum der Lodge. Nach Genuss der vielen Flüssigkeit gebe ich meiner Bettschwere nach und falle in einen tiefen Schlaf.

Manang

Die Gangapurna von Manang aus gesehen.

Am nächsten Tag scheint wieder die Sonne und nach reichhaltigem Frühstück reihe ich mich in die Schar der Trekking-Touristen ein, die sich auf dem Weg zum Pass befinden. Ab Manang sind es nämlich deutlich mehr Menschen geworden, die dem gleichen Ziel entgegenstreben. Der Weg ist traumhaft: manchmal steil aber meistens nimmt er sich aus wie ein angenehmer Höhenweg, Betonung liegt natürlich auf "Höhe". Der Blick fällt entweder auf Gangapurna, Eisdome oder Tilicho Peak und man kann keine Entscheidung treffen, welcher der Berge der Schönste ist. Nachdem ich Manang eine Stunde hinter mir gelassen habe, kann ich den gesamten Gletscher bewundern, der sich vom Gipfel der Gangapurna bis fast zum Talboden herunterzieht. Am Fuße des Gletschers liegt ein großer Schmelzwassersee, den man von Manang aus besuchen kann. Da ich aber nur eine Nacht in Manang verbringe, bleibt für den Ausflug keine Zeit. Aus der Ferne bewundere ich die Größe und vor allem das herrliche Türkis des Sees. Gegen 11 Uhr mache ich Teepause in Gusang. Ich genieße diese 30 Minuten besonders: in der Sonne sitzen auf fast 4000 m, Tee trinken und die herrliche Aussicht genießen. Schnell schreibe ich noch eine SMS an die Lieben daheim, denn bald ist für die nächsten 2 Tage Schluss mit dem Handyempfang. Erst in Muktinath funktioniert das Ding wieder richtig. Mein Weg führt mich heute bis Yak Kharka, ein kleiner Ort, der eigentlich nur aus Lodges besteht. Da zwei große Gruppen im besten Haus am Platze abgestiegen sind, suche ich mir eine kleine Lodge am Ortsende. Hier sitze ich gegen 13 Uhr im sonnendurchfluteten Wintergarten und esse Dalbhat (was sonst?). Wenn jetzt jemand denkt, das müsste ja langweilig werden, immer Dalbhat, der irrt gewaltig. Jeder hat dafür sein eigenes Rezept mit spezieller Gewürzmischung. Das schmeckt immer anders. Für mich die perfekte Ernährung in Nepal, mal abgesehen von gelegentlich ein paar Momos. Nachdem ich vom Nachmittagsschläfchen ausgeruht von meinem Bett aus die Trekkinggruppen beobachte, die den nahe gelegenen Hang hinaufhasten um vor dem Abendbrot noch den Akklimatisationsausflug zu absolvieren (immer höher gewandert sein als man schläft), begebe ich mich in den Gastraum der Lodge in dem nun am Abend der Ofen angezündet wird, der aber zugegebenermaßen nicht viel Wärme spendet. Außer mir bevölkern hier noch eine 4-köpfige neuseeländische Familie und eine alleinreisende Russin den Gastraum. Der jüngste Sohn der Familie hat eine schwere Magendarmverstimmung. Er sieht nicht nach Weiterwandern aus. Die Russin klagt über ihren großen Rucksack und in der Tat, sie schleppt eine Menge Zeug mit sich herum. Da ich die Decken in den Lodges nutze, ist mein Rucksack klein und leicht, denn ich habe nur das Nötigste dabei. Durch die Höhe ist der Hunger groß und so gibt es am Abend ein weiteres Hauptgericht: Buchweizenbrei mit Yakcurry. Die Portion reicht für zwei und so schaffe ich trotz großem Hunger nur die Hälfte. Früh gehe ich schlafen, denn es ist ja wie gesagt kalt im Gastraum trotz des Ofens.

Yak Kharka

Nach dem Mittag in Yak Kharka, im Hintergrund die Gangapurna.

Am nächsten Morgen gibt es heißes Porridge mit Apfelstücken. Sehr nahrhaft und lecker. Der erste Blick auf den Thorong Peak ist atemberaubend. Da hinten irgendwo muss also der Pass sein. Kaum zu glauben, denn alles sieht noch so weit entfernt aus. Der Weg schlängelt sich durch das enger werdende Tal und am Wegesrand kann man so einige höhenkranke Menschen beobachten. Die einen steigen raschen Schrittes aber abwesenden Blickes ab. Andere schleppen sich weiter nach oben. Man fragt sich wo da dann das Vergnügen bleibt. Ein solches Risiko würde ich nicht eingehen. Denn letztendlich kann es einen das Leben kosten, wenn man die Warnsignale des Körpers nicht beachtet. Zum Glück habe ich mit der Höhe keine Schwierigkeiten. Ich bemerke nur eine zunehmende Zerstreutheit. Will sagen, das es mir immer schwerer fällt die Gedanken zusammen zuhalten. Schwierige Aufgaben zu lösen scheint zuweilen unmöglich und manchmal kann ich mich nicht daran erinnern was ich eben noch machen wollte. Aber ansonsten geht es mir gut! Immer wieder treffe ich die Träger der großen Trekking-Gruppen und kann mein rudimentäres Nepali an den Mann bringen. Sie freuen sich sehr wenn ich ihnen auf Nepali auf ihre vielen Fragen antworte. 30 bis 40 kg schleppen sie über den Pass und ich hoffe sie erhalten dafür auch einen angemessenen Lohn. Denn das ist wirklich eine schwere Arbeit. Einen Träger habe ich kennengelernt, der hat für seine Arbeit nur 8 Euro pro Tag bekommen und dazu nicht mal Trinkgeld. Wie kann man Menschen so ausbeuten? Nach einer kleinen Pause am Teehaus gehtís weiter nach Thorong Phedi. Mal abgesehen von einem kleinen steilen Abstieg hinab zum Bach und auf der anderen Seite wieder hinauf ist der Weg bis hier sehr angenehm. Nach Thorong Phedi folgt ein letzter Aufstieg, bei dem 300 hm zum High Camp (4850 m) zu bewältigen sind. Das klingt jetzt nicht all zuviel aber eine Stunde muss man dafür schon rechnen, denn das Laufen fällt in der Höhe schon deutlich schwerer und man muss öfter mal stehen bleiben, um ordentlich durchzuatmen. Viele Gruppen übernachten in Thorong Phedi, gehen am Abend zur Akklimatisation ins High Camp und wieder zurück und steigen dann am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe wieder ins High Camp auf und dann weiter zum Pass. Das bedeutet am Passtag fast 900 hm am Stück aufzusteigen was in der Höhe kein Pappenstiel ist. Mal abgesehen von der Tatsache, das man ja am Abend schon mal im High Camp war und dann den Weg zweimal gehen muss. Ich würde immer wieder gleich ins High Camp aufsteigen und dort übernachten, denn von hier bis zum Pass ist nicht so weit.
Nachdem ich im High Camp angekommen bin, beziehe ich mein Zimmer und gehe dann erstmal Dalbhat essen. Dazu gibt es Minttea, einen Liter. Der Aufstieg hat doch ganz schön geschlaucht und so ruhe ich mich erstmal aus. Als die Sonne hinter den Bergen verschwindet, wird es empfindlich kalt. Das ist allerdings nur ein kleiner Vorgeschmack auf die Kälte, die mich in der Nacht erwartet. Am Abend komme ich zu spät in den Gastraum: die besten Plätze am Ofen sind schon belegt und so bleibt nur ein Platz in den hinteren Reihen, der entsprechend kalt ist. Nach Kartoffelcurry mit Reis ziehe ich mich schnell unter meine dicke Decke in meinem Zimmer zurück, die aber auch bei voller Bekleidung (inkl. Daunenjacke) nicht ausreichen wird. Die Füße sind eiskalt und der Blick auf die Uhr beruhigt auch nicht gerade: 12 lange kalte Stunden liegen vor mir bis es wieder hell wird. Meine Sigflasche mit heißem Wasser zu füllen fällt mir erst ein, nachdem die Küche der Lodge Feierabend gemacht hat. Ein weiteres Paar Socken anzuziehen ist schwere Arbeit aber nach einer Weile habe ich das geschafft. Es trägt auch zur Besserung der Situation bei. Leider muss ich, als die Füße endlich warm sind, auf die Toilette (der viele Tee!) und die liegt auf der anderen Seite des Hofes, 50 m entfernt. Also wieder raus, Schuhe an. Draußen ist es noch kälter aber der sensationelle Sternenhimmel entschädigt ein wenig für die Unbill. Der von Lichtsmog ungestörte Blick fällt auf Milliarden Sterne, die wie Brillanten am schwarzen Himmel glitzern. Diese Momente muss man in seinem Gedächtnis bewahren, denn sie sind einzigartig!
Das Klo ist leider besetzt und so muss ich noch weiter laufen bis zum nächsten Klohäuschen. Das hat natürlich zur Folge, dass meine Füße nach Rückkehr in mein Bett wieder eiskalt sind und der Wärmprozess beginnt von neuem. Diesen Zyklus muss ich noch ein weiteres Mal in dieser Nacht durchlaufen bis dann endlich die Zeit zum Aufstehen gekommen ist.

Thorong Peak

Der Thorong Peak.


Als ich gegen 6:30 Uhr früh das Gastzimmer der Lodge betrete, sind fast alle schon weg, aufgebrochen Richtung Pass. Ich lass mich aber nicht nervös machen, esse wieder leckeres Porridge mit Apfel und beginne dann gegen 7 Uhr meinen Aufstieg. In der erste Stunde ist es so kalt, das man sich jedes Foto überlegt, denn dazu muss man die Handschuhe ausziehen. Am ersten Teehaus kommt dann endlich die Sonne über den Berg und die wärmenden Strahlen sind Balsam für Körper und Seele. Dazu ein heißer Pfefferminztee und die Welt ist wieder in Ordnung. Auf meinem weiteren Weg überhole ich die große Gruppe und noch so manch anderen Wanderer. Der Aufstieg läuft super trotz der Höhe und um 9 Uhr komme ich am Pass an. Glück und Freude das sind die Empfindungen hier oben. Freude es geschafft zu haben und Glück darüber dabei sein zu dürfen, an diesem wunderschönen Tag am Thorong La. Man kann diese Gefühlsexplosion, die da stattfindet nicht beschreiben aber wenn man es einmal erlebt hat, will man es immer wieder haben. Jeder der Ankommenden wird mit großem Hallo begrüßt und alle beglückwünschen sich. Wir fotografieren uns gegenseitig und alle sind sehr glücklich.
Der Abstieg nach Muktinath ist weit, also heißt es bald Abschiednehmen von der Passhöhe aber nicht ohne das geheime Versprechen auf jeden Fall wiederzukehren. Den Weg nach unten bewältige ich größten Teils im Laufschritt, denn je kürzer die Zeit umso knieschonender der Abstieg. Trotzdem brauche ich 3 Stunden und so habe ich ordentlich wackelige Knie als ich das Kloster von Muktinath erreiche. Trotz der niedrigen Temperaturen finde ich bei den Quellen ein paar Gläubige bei rituellen Waschungen vor. Um sie nicht zu stören, verlasse ich das Klostergelände und trinke in Muktinath erstmal ein kaltes Bier. Das zischt! Nach leckerem Chickenchili suche ich mir einen Jeep, der mich nach Jomsom bringt. Denn dort ist es wärmer als hier oben und von Kälte habe ich eigentlich genug. Nach 2 Stunden Wartezeit hat der Jepp genug Passagiere und es geht in rumpliger Fahrt mit lauter nepalesischer Musik Richtung Tal. Die Strecke habe ich im Frühling bereits zu Fuß erkundet und so kriege ich vom Auto aus einen ganz anderen Eindruck von der Gegend.
Nach einer komfortablen Übernachtung in Jomsom (inklusive heißer Dusche) fahre ich mit dem Localbus nach Tatopani. Hier gibt es wieder den leckeren frisch gepressten Orangensaft und auch wieder Raksi und Sukuti am Abend. Am nächsten Tag geht es mit dem Jeep fast bis Beni. Auch hier geht das Auto zu Bruch und ich muss den Rest nach Beni auf staubiger Strecke laufen. Hier nehme ich einen Bus um dann diese wunderbare Tour mit einem Marsch nach Sarangkot zu beenden. Hier logiere ich in einem Hotel auf deren Terrasse man den herrlichsten Blick über das Tal von Pokhara und die Annapurnakette genießen kann. Von diesem Logenplatz aus werde ich Zeuge des Sonnenunter und -aufgangs. Am Abend kann man dem Blick über Pokhara schweifen lassen und die vielen Lichter sehen aus wie Sterne am Himmel. So geht diese wunderbare Tour zu ende und ich werde noch lange von den schönen und aufregenden Eindrücken zehren können.

Muktinath

Warten auf den Jeep in Muktinath, hinten links der Dhaulagiri.

Profil

Das Höhenprofil der großen Annapurnarunde.

Muktinath

Wanderwege im Annapurna-Nationalpark.